Samstag, 13. Februar 2016

Pharaonisches Menü

Was wir heute vom altertümlichen Ägypten wissen, haben wir vielfach von den Dingen gelernt, die in den Gräbern und riesigen Pyramiden gefunden wurden. Doch in Wirklichkeit waren bei weitem nicht alle in Ägypten reich. Die Gesellschaft war streng geschichtet und es gab große unterschiede zwischen den Armen und Reichen. Dies zeigte sich auch in ihrer Ernährung.
Die Armen hatten ein hartes Leben. Der Begriff Armut hatte damals eine andere Wertigkeit als in der Heutigen westlichen Gesellschaft. Ihre Hauptnahrung war Gerstenbrot mit Zwiebeln. Natürlich musste die Gerste und die Zwiebeln selbst angebaut werden. Die Gerste wurde gemahlen und dann zu einem Brei gemacht, der dann gebacken wurde. Für besondere Anlässe gab es zusätzlich Gemüse. Knoblauch, Datteln, Kichererbsen, Linsen und ein paar grüne Gemüsesorten waren, wenn auch nur selten, erhältlich. Streng nach Saison und abhängig von Überschwemmung des Nils.  Ganz selten gab es auch einen Fisch vom Nil. Bier wurde meistens mit den Mahlzeiten getrunken. Natürlich musste auch das Bier selbst hergestellt werden. Tatsächlich wurde im altertümlichen Ägypten mehr Bier getrunken als Wasser. Bier diente den Armen nicht nur als Erfrischung und Stärkung nach einem langen harten Arbeitstag, es gab Bier auch noch aus einem anderen Grund. Wasser war oft mit schädlichen Bakterien verunreinigt. Der Alkohol im Bier tötete die Bakterien. Um Bier zu machen, vermischten die armen Ägypter ihre alten Brotreste mit Wasser und ließen diese Mischung in der Sonne fermentieren. Das Brot wurde dann abgeseiht und die verbliebene Flüssigkeit war ihr Bier. Also “Naturtrüb”
Für die Reichen gab es weder Bier noch Wasser. Sie genossen Wein zu jeder Angelegenheit. Sie hatten auch nicht nur Gerstenbrot, sondern konnten sich Brot von über 40 Brotsorten aussuchen. Die reichen Ägypter importierten auch Delikatessen von Fern und Nah. Sie genossen auch seltene Raritäten, wie z.B. Fleisch. Hühner, Gänse und Wild, die sich in den Marschländern des Nils aufhielten gab es bei den Reichen oft. Gemüse wurde mit jedem Mahl serviert und viele Fischsorten waren beliebt.Ganz ähnlich wie in der Villa Kunterbunt. Ob es Kamele auf dem Speiseplan gab ist eher unwahrscheinlich. Immerhin sind Spätzle und Schokoladensauce auch erst viel später als Ägyptische Nationalgerichte bekannt geworden. 
Das ausgezeichnete Essen hörte für die Reichen nie auf – nicht einmal nach ihrem Tod.(Das ultimative all inclusive!) Für die Reichsten der Gesellschaft wurde im Grab eine Art Altar gebaut worauf sie die Speisen, die die Toten im Leben nach dem Tod brauchten, aufstellten. Für die Ägypter war dieses Geschenk nicht nur symbolisch. Sie glaubten, dass die Menschen diese Nahrung brauchten um ins Leben nach dem Tod zu gelangen.
Lebensmittelherstellung war in Ägypten, so wie in allen anderen altertümlichen Kulturen das Wichtigste im Leben. Für die ägyptischen Bauern gab es drei Jahreszeiten. Zuerst kam Akhet, die Zeit der Überflutung. Diese Zeit konnten sie mit Hilfe der Astronomie vorhersagen. Der Nil überschwemmte die Felder und reichere sie an mit einem mineralhaltigen Schlamm. Peret war die zweite Jahreszeit, während welcher gepflanzt wurde. Shemo, die Erntezeit, war eine aktive Periode für alle. Die Reichen hatten dafür eine Arbeitsteilung geschaffen: Der Pharao beaufsichtigte das ganze Geschehen. Die Priester danken den Göttern für die reiche Ernte. Die Schreiber notierten wie viel geerntet wurde. Die Sklaven (der Großteil der Bevölkerung) betätigten die ganze Arbeit, damit die Reichen im kommenden Jahr wieder im Überfluss leben konnten.
Für die Landwirtschaft gab es auch schlechte Jahre mit geringer Ernte. Es wird sogar berichtet, dass in solchen Zeiten Kannibalismus aufkam. Doch zu einer regelmäßigen Diät gehörte Menschenfleisch sicherlich nicht. Solche Gerüchte kommen aus allen Kontinenten auf, sind aber nie völlig belegbar!
Was übrig bleibt von dieser komplexen Gesellschaft sind die Pyramiden, die von der schweren Arbeit der Sklaven und von der Führung der Pharaos berichten. Was den Ägyptern erlaubte so eine komplexe Gesellschaft aufzubauen, war die Nahrung.
Und was uns erlaubt so komplex schöne Urlaubszeiten anzubieten ist wiederum die Nahrung! Die Nahrung auf unseren Speisekarten für Sie als Gast. Übrigens hat der Touristische Kalender in Ägypten nur noch zwei ausgeprägte Saisonzeiten: 
einmal Sommer und einmal etwas weniger Sommer. 

Gute Reise

Tischmanieren

Tischmanieren 

kennt man schon seit der Steinzeit. So hatte der Jäger, also meistens der Mann, das Vorrecht auf das Beste und größte Stück Fleisch, damit er stark bleibt für die nächste Jagd. Diese Sitte hat sich erstaunlicherweise bis heute in einigen Familien gehalten.
Ursprünglich wurde überall mit den Fingern gegessen, später wurden speziell im asiatischen Teil der Welt, Stäbchen verwendet. Erst im 16. Jahrhundert fing der Siegeszug der Gabel an. (Löffel und Messer wurden schon immer als Werkzeuge benutzt.) Generell wird im heutigen Ägypten mit Messer und Gabel gegessen. Wobei Brot ebenso wie bei uns in Europa mit den Händen dazu gegessen wird. Wir als Europäer werden selten zu einem Mahl eingeladen, bei dem auf dem Boden und mit den Händen gegessen wird. Auch bei uns wird der Blick in das Familieninnerste nicht preisgegeben wenn Gäste dabei sind. Kinder werden zur Ruhe ermahnt und der Großvater bleibt wegen permanenter Rülpsgefahr  in seinem Zimmer. Dabei hatte die Sitte mit den Händen zu essen durchaus seine Berechtigung. Wir riechen beim Essen und wir schmecken das Essen. Mit den Händen kann man aber auch fühlen. Konsistenz, Temperatur und ob sich eventuell ein Käfer in den Reis verirrt hat. 
Ein gravierender Unterschied zwischen unseren Kulturen ist aber der leere Teller. Bei uns bedeutet ein leerer Teller Zufriedenheit. Es hat geschmeckt und am Besten wird die Sauce noch mit einem Brot abgewischt. Also rundherum lecker. Dann gibt es auch noch schönes Wetter, sollte der Teller leer sein. Da frage ich mich doch, wieso in Ägypten die Sonne an jedem Tag scheint, obwohl die Teller nicht leer gegessen werden. 
 Es ist hier nicht üblich alles aufzuessen was angeboten wird. Es müsste schon ein sehr großer Zufall sein, sollte Ihr Hunger an dem Punkt gestillt sein, an dem auch auf dem Teller nichts mehr ist. Es wird solange nachgereicht, bis Sie etwas auf dem Teller lassen.  Gastfreundschaft hat in Ãgypten einen sehr hohen Stellenwert. Dementsprechend ist die zugeteilte Fürsorge manchmal erdrückend, aber nett gemeint. Wundern Sie sich nicht, wenn Ihnen in Restaurants die Teller unter der Nase weggezogen werden. Auch dies ist ein Zeichen der Fürsorge. Ägyptische Gäste erwarten von einem gutem Service, die ungeteilte Aufmerksamkeit und dazu gehört ein aufgeräumter Tischplatz. 
Sie können bedenkenlos beide Hände zum Essen benutzen, die Linke gilt in Ägypten nicht mehr als  unrein, seit es die Anstandssitten vorschreiben sich vor und nach dem Essen beide Hände zu waschen.
Die Tischsitten sind auch für Europäer leicht verständlich. Aber Sie machen sich lächerlich, sollten Sie sich selbst zwingen ein Gericht für gut zu befinden, das unserem Geschmacksempfinden völlig abgeht. Auch in Deutschland gibt es Speisen die eher eine völkerkundliche Daseinsberechtigung haben als eine Geschmackliche. So gibt es auch hier Dinge die nach unserem Empfinden von der Special effects Abteilung eines Gruselschockers erfunden wurden. Manchmal braucht es mehrere Jahre um sich dem Geschmack des Gastlandes anzunähern. 
Nach dem Hauptgang wird auch hier Süßes gereicht, sehr Süßes sogar. Der Zuckerverbrauch in Ägypten ist um einiges höher als in Deutschland. Süßes ist hier gleichzusetzen mit der Leichtigkeit des Seins- mit Fröhlichkeit und Wohlbefinden. Bei Beerdigungen wird Kaffee und Tee immer ohne Zucker getrunken.
Kaffee und Tee gibt es zum Dessert oder danach. Auch Sie sind im Urlaub und sollten sich dieser Sitte anschließen und Ihren Urlaub entstressen.

Guten Appetit 


Freitag, 12. Februar 2016

Mumienkunde fuer Bastler

Haben Sie noch einen Funken Experimentierlust? 

Dann können wir Ihnen helfen, diesen Funken zu einer wissenschaftlichen Leidenschaft zu entwickeln.
Früher stellte man sich Original Mumien an das Fenster weil es schick war. Heutzutage ist es fast unerschwinglich geworden sich eine alte Mumie zu besorgen. Außerdem bröckeln diese sehr leicht und verboten ist es auch. Warum machen Sie sich nicht selbst eine? Im Land der Heimwerkermärkte sollte auch das nur als Herausforderung gelten.
Als erstes brauchen Sie ein Objekt. Da Pharaonen nicht mehr zu finden sind, müssen Sie einige Kriterien bei der Auswahl beachten. Nachbars Hund und Katze kommen nicht in Frage, diese werden später noch gebraucht. Ihre Schwiegermutter ist für einen Anfänger noch zu viel Arbeit, heben Sie sich das für später auf. (Bedenken Sie, dass Sie die Küche danach reinigen müssen). Wie wäre es beispielsweise mit dem Goldhamster Ihrer lieben kleinen? Das Gebimmel im Laufrad erinnert doch schon die ganze Zeit an eine Pharaonische Zeremonie. Außerdem kann man das Tier auch noch als Kuschelmumie verwenden und bedarf kaum der Pflege. 
So geht’s dann weiter:
Das Objekt wird auf einen Lattenrost gelegt (hilfreich beim Einwickeln).
Dann wird das Gehirn entfernt. Hier gab es damals zwei verschiedene Methoden: 1.) Einfach mit Hammer und Meißel durch die Nase in das Gehirn und dieses rausschaben oder 2.) Hinter dem Auge wird ein Draht eingeführt, das Gehirn zerkleinert und mit speziellen Geräten ausgelöffelt. Für unerschrockene tut es auch ein Strohhalm von der Beach Bar.
Das Gehirn wird nicht mehr gebraucht. (Hier benötigen wir Nachbars Katzen und Hunde).
Der Schädel wird mit einer Mischung aus Natron und Gips gefüllt.
Nun beschreibt uns der Griche Herodot 445 v. Chr. wie es weitergeht:
“Sie holen sämtliche Eingeweide heraus, reinigen sie und waschen sie mit wein ab. Dann füllen sie die Bauchhöhle mit Myrrhe und anderen Kräutern und nähen die Öffnung wieder zu. Nun wird die Leiche 70 Tage in Natron eingelegt, anschließend gewaschen, von Kopf bis Fuß mit langen, schmalen Leinenbinden umwickelt und mit einer Schutzschicht überzogen.”
Gegen böse Geister wurde beschriebener Papyrus in den Körper gelegt oder die Binden wurden mit Zaubersprüchen beschrieben. Die Augen wurden durch schwarze Steine ersetzt und auf das Gesicht kam eine Goldene Maske, die sich in unserem Feldversuch erübrigt, da es sich ja schon um einen Goldhamster handelt. 
Nur das Herz bleibt im Körper, da es nach der Ankunft im Totenreich von Osiris gewogen wird. Der Körper selbst wird mit Tüchern und Lehm gestopft, um ihm ein properes Aussehen zu geben.
Magen, Därme, Leber und Lunge werden in spezielle Krüge (Kanopten) mit Natron gelegt.
Dann kommt das Ritual der Mundöffnung, damit die Mumie im Totenreich Essen, Trinken und Atmen kann. Die Mumie kommt in einen oder mehrere schwere Särge. Aus Angst vor Grabräubern wird der Sarg auch noch gut versteckt. Der Tote selbst kommt immer nach belieben heraus, er hat eine Ba-Seele (Vogelkörper und Menschenkopf). Dann kommen noch eine Zeremonie mit Bittliedern und ein Totenfest mit viel Essen und Musik.
Letztendlich fehlt noch ein Totenbuch, in dem Zaubersprüche für jede Gelegenheit stehen, die dem Toten helfen den gefährlichen Weg ins Totenreich zu überstehen.
Anfangs wurden nur Pharaonen einbalsamiert. Später wurde es dann sehr populär und man auch schon Haustiere gefunden.
Der Name kommt aus dem Persischen und bedeutet so etwas wie „Wachs“. 
 Auf jeden Fall hat die Balsamierung etwas mit dem Wunsch zu tun „unsterblich“ zu sein. (Aufpassen mit der Schwiegermutter!) Ob sich das wirklich lohnt muss jeder für sich entscheiden, oder besser noch ein paar andere Menschen vorher fragen. So eine ewige Ruhe hat ja auch gute Seiten